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Interview mit Michael Fitz

Geführt von Gisela Huwig von Magazin LEO

 

Interview: Michael Fitz in Brücken und Mannheim

„Zuerst war der Musiker da“

 

Bekannt ist Michael Fitz vor allem als Schauspieler mit großer Bandbreite vom Münchner „Tatort“ über die „Hattinger“-Krimis bis hin zu Rosamunde-Pilcher-Filmen. Doch auch als Musiker hat das bayrische Multitalent sich inzwischen eine beachtliche Fangemeinde erspielt und ist aktuell mit seinem neuen Album „Des bin I“ auf Tour: Sa 21.4., 20 Uhr, Brücken, evangelische Kirche;  So 13.5., 17 Uhr, Mannheim, Schatzkistl; Karten: Reservix. Im LEO-Interview hat er von seinem Leben auf der Bühne und hinter der Kamera erzählt.

 

Ich habe auf Ihrer Homepage einen Eintrag gelesen, dass es bei Ihrem Auftritt in der Andechser Lounge eine Hutsammlung gegeben hat. Spielen Sie tatsächlich auch mal für Geld im Hut?

Ah, das ist schon ein paar Jahre her. Damals war das Hochwasser, ich glaube es war das in Passau, gerade aktuell, der Eintrag ist schon ziemlich alt. Damals habe ich gesagt, ich gebe nachher den Hut rum und das Ergebnis spende ich und packe meine Gage noch oben drauf.

 

Ach so, das war gar nicht für die Gage. Ich hätte mich auch wirklich gewundert, wenn Sie für Geld im Hut auftreten müssten. Ein bekannter Schauspieler wie Sie müsste das ja wahrscheinlich nicht mehr…

Nein, tatsächlich n icht. Wobei der Hut wirklich eine erstaunliche Wirkung erzielt, das ist ein Relikt aus alter Zeit, wie beim Klingelbeutel in der Kirche.

 

Sie spielen aber noch immer im kleineren Rahmen, wenn ich das so überblicke…

Ja, das ist meistens unter 200 Zuschauern, manchmal auch unter 80 oder unter 70.

 

Ist das so gewollt?

Ja, das ist so gewollt. Und manchmal muss ich drei Konzerte geben, um die Nachfrage zu decken. Aber das ist die Größe für mich. Bei dem Programm brauche ich die Leute ganz nah bei mir. Ich brauche eine gewisse Enge, auch für mich, damit ich mit dem Publikum in Kontakt komme.

 

Sie geben dabei ja immer sehr viel von sich preis. Sie erzählen in ihren Lieder ganz viel von sich, geben quasi Innenansichten. Die neue CD heißt ja sogar „Des bin I“ und es gibt darauf ein Stück „Hinter meiner Stirn“.  Ist das eine Art Gegenprogramm zum Schauspieler, der ja in andere Rollen schlüpft?

Das würde ich so gar nicht sagen. Aber wenn man die Art von Musik macht, dann muss man ganz viel von sich preisgeben, wenn man glaubwürdig und authentisch sein will. Ich bin ja in dem Moment kein Schauspieler, der auf die Bühne geht und was erzählt. Das bin ja ich in dem Moment. Da steckt halt ganz viel von mir drin. Es gibt ja Menschen, die auf die Bühne gehen und sind dort jemand anderes, Kabarettisten zum Beispiel. Das ist ein dramaturgischer Kunstgriff, um etwas zu erreichen. Aber in meinem Fall brauche ich das ja gar nicht. Bei meinen Live-Konzerten ist es eigentlich so, dass ich mich im Verlauf der Konzerte immer mehr zeige und merke, wie die Leute reagieren und sich dann auch zeigen. Wenn man will, dass die anderen sich zeigen, muss man sich erst einmal selbst zeigen.

 

Macht das den besonderen Reiz für Sie aus als Musiker?

Absolut, das macht den besonderen Reiz für mich als Musiker schlechthin aus. Das ist auch die Herausforderung daran, weil ich ja jeden Abend vor anderen Leuten stehe. Manchmal komme ich an die Leute auch überhaupt nicht ran, dann wieder merke ich, dass das Publikum vom ersten Moment an da ist. Das ist ganz unterschiedlich.  

 

In Brücken spielen Sie in einer Kirche. Was empfinden Sie dabei, ist das für Sie was Besonderes, und haben Sie sich dafür ein besonderes Programm ausgedacht?

Es kommt auf den Platz an. Es gibt Kirchen, die sind noch geweiht und es gibt welche, die nicht mehr als Kirche genutzt werden. Da merkt man schon den Unterschied, dass da was anders ist. Wenn eine Kirche noch eine Kirche ist, dann ist es immer eine ganz spezielle Atmosphäre.

 

 

 

Haben Sie da ein spezielles Programm oder entwickeln sich die Konzerte in Kirchen anders?

Es ist tatsächlich so, dass die Leute in der Kirche besser zuhören, weil das ja so ein Automatismus ist, weil man dort ja sonst dem Pfarrer lauscht. Nur in dem Fall ist es nicht der Pfarrer, sondern ich bin’s.

 

Das ist dann bestimmt ein erhabenes Gefühl…

Ich frage die Leute dann auch schon, wie es Ihnen geht, dass ich da vorne stehe und nicht der Pfarrer.

 

Andächtiges Zuhören…

Ja, manchmal ist es auch zu andächtig. Das ist fast schon Ehrfurcht. Dann lockere ich das ein bisschen auf. Mir geht es ja nicht da darum, dass ich die Distanz zum Publikum noch vergrößern will, sondern ich will sie verkleinern. Das ist mein Begehr. Das machen andere ganz anders.

 

Welcher Rahmen ist Ihnen denn am liebsten? Die kleine Kulturkneipe, wo man mittendrin sitzt oder die Bühne?

Naja. Das Konzertante hat natürlich auch seinen Reiz, wenn die Leute in Stuhlreihen vor einem sitzen und andächtig zuhören. Weil das allein ja schon dafür sorgt, dass eine Grundaufmerksamkeit da ist. Das hat schon auch was. Aber ich mag es auch anders. Ich mag auch diese Kneipe, die Bistrotische, diese typische Kneipenatmosphäre. Da kann  man auch in Dialog gehen.

 

Wo klappt es besser mit dem Slang verstehen?

Mit dem Bayrischen?

 

Ja.

Das kann man so gar nicht sagen. Manchmal versteht der ein oder andere, der Bayrisch gut kennt, meinen speziellen Humor vielleicht gar nicht, während es im Rhein-Main-Gebiet gut ankommt, obwohl der Dialekt dazwischen steht. Das kann  man so allgemein gar nicht sagen. Ich glaube auch nicht, dass der Dialekt in irgend einer Form hinderlich ist, egal, wo ich jetzt spiele. Es gibt natürlich immer wieder mal, ganz selten, Leute, die sagen, ich verstehe das nicht, und ich kann damit nichts anfangen, wenn ich es nicht verstehe. Es gibt viele Leute, die sagen, ich verstehe es zwar nicht, aber ich lasse mich einfach in die Musik reinfallen, dann wird’s einfacher.

 

Sie waren schon öfter in der Gegend und haben auch schon in Brücken im Diamantschleifer-Museum gespielt. Welche Erinnerungen haben Sie daran, falls Sie sich bei 100 Konzerten pro Jahr überhaupt an einzelne erinnern können?

Ich erinnere mich daran, dass wir das mitgeschnitten hatten. Wir haben zu der Zeit viele Konzerte mitgeschnitten. Ich weiß auch noch, dass das eine irre Fahrerei war. Manchmal ist das so, da muss man eine ganz weite Strecke fahren. Aber ich kann  mich erinnern an den Auftritt, ja.

 

Sie machen ja manchmal auch mit Ihrem Sohn Emanuel Musik. War er dort auch dabei? 

Gespielt haben wir nicht zusammen, aber er war dabei und hat mich bei der Technik unterstützt.

 

Ich finde ja, Sie sollten mehr Musik zusammen mit Ihrem Sohn machen. Auf der CD „Wenn I schaug …“ finde ich das Stück „Weiß nich mehr“ extrem genial. Die Mischung reißt mit und es verbindet tatsächlich ganz toll die Generationen …

Da sind Sie nicht die einzige, die das sagt.

 

Ist da was geplant?

Sie wissen ja, wie das ist bei jungen Menschen. Die wollen sich halt erst mal selber ausprobieren, entdecken, schauen, dass sie auch alleine was schaffen. Und das ist ja auch ganz gut. Er ist gerade dabei, ein eigenes Live-Programm auf die Bühne zu stellen, das natürlich ganz anders aussieht als meins. Ideen, was zusammen zu machen, dass man Gitarre und Rap kombiniert, gab’s schon öfter, und das wird auch immer wieder auftauchen. Es kommt wohl darauf an, dass man irgendwann einmal den Puls findet und dem folgt und sagt: Jetzt packen wir’s an, machen Termine dafür und bewerben es. Das ist nicht ausgeschlossen, aber das kann auch noch eine Weile dauern.

 

Stilistisch scheinen Sie sich auf „Des bin I“ von der „Wenn I schaug …“ mit Ihren komplexen Kompositionen und Gefühlsausbrüchen auf dem neuen Album „Des bin I“ hin zu runden, glatteren und irgendwie versöhnlicheren Tönen entwickelt zu haben. Wie sehen Sie das?Wie ist es dazu gekommen?

Ich wollte bei der „Des bin I“ mal was ausprobieren, was ich vorher noch nie gemacht habe. Ich wollte ausschließlich mit den Mitteln arbeiten, die mir selber zur Verfügung stehen, also mit Akustik-Gitarren aller Couleur, aller Farben, aller Tonhöhen, quasi alles ersetzen, was sonst noch bei dieser Musik dabei sein könnte, nämlich Schlagzeug und Bass, Keyboards, Melodieinstrumente und Bläser. Das war der Versuch, aus den ganzen gitarrenähnlichen Instrumenten eins zu machen. Ich wollte, dass der Ton auch aus dem Bauch so richtig rauskommt und als Ganzes wahrnehmbar ist. Das war die Idee bei der Platte, die ich auch ganz alleine gemacht hat. Das klingt natürlich ganz anders als die „Wenn I schaug“, die ich mit meinem Freund Hans Steingen? in Düsseldorf mit Gastmusikern, einem Streichquartett, Bläsern, Keyboard-Einsprengseln eben in ganz verschiedenen Besetzungen produziert habe. „Des bin I“ habe ich hier zu Hause gemacht.   

 

Sie hatten mal mit Ihrer Band ein Major Label ...

Ich habe nie in einer Band gespielt, sondern immer Bands um mich rum zusammengestellt. Mir also Musiker gesucht, um meine Sachen umzusetzen. Das hat sich jetzt geändert. Ich habe früher immer gedacht, ich bin nur ein mäßiger Gitarrist, der nicht so viel kann und sich nur ein bisschen begleiten kann, aber durch das viele allein spielen und solo spielen, sagen viele, habe ich mich da weiterentwickelt. 

 

Wünschen Sie sich nicht doch insgeheim, auch mal größere Hallen zu füllen und wie Ed Sheeran als One-Man-Show mit Gitarre zum Musik-Superstar zu werden?

Nein, das ist nicht so, ganz ehrlich nicht. Das war früher so. Ich habe ja Pop-Rock-Musik gemacht, auch schon mit relativ komplexen Arrangements, aber von der Musik her war’s schon ein bisschen anders. Ich bin froh, dass ich mich so ein bisschen reduzieren konnte. Ich finde die Songs immer wichtig. Was die allein mit einer Stimme erzählen können. Das zählt auch der Maßstab, den man an sich selber anlegt. Ich wähle schon sehr kritisch aus, welche meiner eigenen Songs ich in meine Live-Programme reinpacke. Ich kann mir da nicht leisten, Lückenbüßer reinzupacken. Jeder Song muss was sein, einen Inhalt haben, was transportieren. Das macht es schon auch schwer. Ich habe viele Songs, die ich nicht spiele, weil sie allein mit der Gitarre nicht die Wirkung haben, die sie haben sollten, oder die nicht ins Programm passen. Manche davon würde ich schon auch mal gerne anders, vielleicht im Trio präsentieren.

 

Aber dann auch im kleineren, intimen Zuschauerkreis?

Ja, vielleicht da ein bisschen größer werden. Wenn sich das anbietet. Es kommt halt immer drauf an, ob auch die Nachfrage da ist.

 

Bekannter sind Sie ja als Schauspieler, oder? Wer war denn zuerst da, der Musiker oder der Schauspieler?

Zuerst war der Musiker da, mit 16, 17 habe ich schon den Ehrgeiz an den Tag gelegt, live zu spielen und eigene Songs zu machen. Dann kam eine Zeit, wo andere Sachen wichtiger wurden, zum Beispiel der Film, und zwar vor und hinter der Kamera. Dann stand die Gitarre wieder in der Ecke, und irgendwann habe ich sie wiederentdeckt. Ich habe dann Mitte der 80er meine erste eigene Band zusammengestellt, die hat sich dann gut entwickelt, aber dann ist sie wieder auseinandergefallen. Dann ist ein Songwriter-Duo übrig geblieben. Im Duo habe ich einen Plattenvertrag bei einer großen Firma gekriegt. So ging das dann irgendwie immer weiter.  

 

Aber es lief dann immer auch parallel zum Schauspielen? Und wie verdienen Sie lieber Ihre Brötchen?

Das sind zwar verschiedene Welten, in denen man sich da bewegt, es ist etwas grundsätzlich anderes, wenn ich in mein Auto steige, irgendwo hin fahre, mein Zeug selbst aufbaue, meinen Soundcheck mache und irgendwas spiele. Da entscheide ich ganz allein, was und wo ich spiele. Das ist eine völlig andere Situation, als wenn ich in einem Film, und sei es die Hauptrolle, mitspiele. Da bin ich in einem großen Apparat nur ein kleiner Part. Da bin ich weisungsgebunden und es gibt immer jemanden, der mir sagt, was ich wo zu tun habe. Das eine hat mit dem anderen wenig zu tun.

 

Sie sagen selbst, Sie hätten das Schauspieler-Gen geerbt und das hätte sich durchgesetzt. Wie haben Sie das denn gemerkt?

Ich habe das große Glück gehabt und bin praktisch reingefallen in eine kleine Spielproduktion einer Hochschulabgängerin. Da spielte ich die Hauptrolle. Das war praktisch der Opener, dadurch bin ich einer Agentur aufgefallen und habe immer wieder Folgeaufträge bekommen. Das wurde dann zwar immer mehr, aber es gab trotzdem viele Tage, an denen ich zu Hause gesessen bin. Aber ich musste ja Geld verdienen, und so habe ich beim Film gejobbt. Habe hinter der Kamera gejobbt, habe mich da auch reingewurschtelt und bin dann auf die Filmhochschule gegangen. Da bin ich bei der Bewerbung als einer von 3000 in den letzten 15 gelandet und genommen worden.

 

Und da kam dann das Gen zum Tragen?

Ganz klar. Der Großvater ist eigentlich der gewesen, der so ein großes Spektrum hatte, der so die Spielleidenschaft gehabt hat, der auch sonst so ganz viel gemacht hat, vom Drehbuchschreiben über Romane schreiben bis zum Vortragskünstler. Der hat alles gemacht. Und er hat seine Begabungen wie mit der Gießkanne auf seine Kinder und Enkel verteilt.

 

Sie haben ja auch ganz vielfältige Rollen. Vom Krimi über das große Drama bis zum Herzkino sind Sie ja überall vertreten …

Da würde ich nicht an jede Rolle unbedingt den Orden dranheften. Es gibt natürlich auch so Sachen, die ich halt gemacht habe, weil ich eben Geld verdienen muss. Und jedes Mal zuck‘ ich zusammen, wenn sowas wiederholt wird, aber da stehe ich auch dazu. Das ist ja ganz normal. Es gibt viele Kollegen, die Herzschmerz am Freitag oder am Sonntag machen müssen, weil sie eben solche Angebote nicht ausschlagen können.

 

Viele stellen sich so ein Schauspielerleben ja mondän vor. Und wenn man liest, wo Sie überall drehen, gerade sind Sie in Mexiko unterwegs, für die Rosamunde-Pilcher-Filme waren Sie in Cornwall, klingt das auch ganz nach Traumjob. Ist es wirklich so einfach, wie es scheint? Oder wie muss ich mir das hinter den Kulissen vorstellen? Was würden Sie denn raten, wenn jemand Schauspieler werden will?

Ja, ich erlebe das jetzt grad bei meinem Sohn. Der will das machen, der will auch in Kinoproduktionen rein. Aber es ist heute noch viel härter, als das früher war. Da muss halt einfach, wenn’s Geld nicht reicht und kein Angebot reinkommt, einen Job annehmen, kellnern oder sonstwas. Das kenne ich auch ganz gut. Das ist ganz normal. Bis man sich da mal eine Position erarbeitet hat, in der man komfortabel leben kann, geschweige denn Häuser bauen oder sich eine Immobilie anschaffen kann, das dauert. Und da braucht es viel Glück.

 

Und das Talent als Musiker vielleicht …

Vielleicht ja, als zweites Standbein, um solche Phasen zu überbrücken.

 

 

 

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